Chaussons „Le Roi Arthus“ - CD-Rezension für die Stuttgarter Zeitung
Viel zu selten wird diese Opernversion der Artus-Sage auf deutschen Bühnen gespielt – vielleicht weil man ihren Schöpfer Ernest Chausson als französischen Wagner-Epigonen missversteht. „Le Roi Arthus“, 1895 entstanden und 1904, erst nach dem frühen Tod Chaussons, in Brüssel uraufgeführt, hat in literarischer Hinsicht Ähnlichkeit mit „Tristan“, und wer unbedingt will, kann aus der Musik ab und zu auch ein wenig „Parsifal“ heraushören. Aber Chausson trifft einen ganz eigenen Ton und markiert eher die beginnende Ablösung von Wagner, die Debussy mit dem „Pelléas“ einige Jahre später vollendete.
Wie dem auch sei: Die neue Aufnahme mit dem famosen BBC Symphony Orchestra ist rundum empfehlenswert. Leon Botstein trifft die Balance zwischen aufwühlender Dramatik und ausgedehnter Meditation genau, und die Solisten meistern ihre mörderischen Partien mühelos. Von besonderem Interesse ist Susan Bullock, Stuttgarts neue Elektra, die hier auch einige zartere Töne anschlägt. Simon O’Neill als Liebhaber Lancelot hält ihren hochdramatischen Attacken mit hell timbrierten Tenor Stand. Und Andrew Schroeder, der in der Titelrolle, von Freund und Frau betrogen, einen ins Universale sublimierten Liebestod sterben darf, ist mit seinem makellosen Legato eine Entdeckung für sich.
Ernest Chausson: Le Roi Arthus. Telarc 80645 (3 CD).