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sarkastischer humor


Christian Zacharias und das Orchestre de chambre Lausanne - Rezension für die Stuttgarter Zeitung (Konzert am 28.11.2005)
 
Es mag ja sein, dass die Sinfonien des Mozart-Zeitgenossen Josef Martin Kraus sich im Prinzip ähneln, aber so austauschbar, dass man im Programmheft eine andere c-Moll-Sinfonie als die tatsächlich aufgeführte beschreiben sollte, sind sie nun auch wieder nicht. Immerhin ermöglichten beim „Konzertanten Querschnitt“ im Beethoven-Saal das Orchestre de chambre de Lausanne und sein künstlerischer Leiter Christian Zacharias eine interessante Begegnung mit dem ebenfalls 1756 geborenen Komponisten. Denn Kraus pflegte einen eigenständigen, energischen Stil, dessen Qualitäten nicht nur vom großen Kollegen Joseph Haydn erkannt wurden.


Für ein Kraus-Jahr indessen reicht der Ruhm nicht – da ist eben doch Mozart vor, dessen 250. Todestag derzeit den Musikbetrieb bestimmt. Mit den Klavierkonzerten in B-Dur und D-Dur (KV 450 und 451) präsentierte Christian Zacharias zwei Stücke, die im Frühjahr 1784 innerhalb einer Woche entstanden. Der Pianist und Dirigent macht gerne solche enzyklopädischen Programme, seit er in Lausanne der Chef ist und mit dem 1942 gegründeten Kammerorchester einen flexiblen Klangkörper zur Verfügung hat.


Es macht Spaß, Zacharias zu beobachten, wenn sich seine Dirigierbewegungen ganz organisch aus dem Klavierspiel ergeben, wenn er in Augenkontakt mit dem Konzertmeister das leise Zusammenspiel von Soloklavier und Streichern intensiv gestaltet. Als Mozart-Interpret ist der 55-Jährige kein genialischer Provokateur, sondern verbindet romantische Ansätze mit im guten Sinne unbequemer Detailfreude: Über Mozarts Ecken und Kanten jedenfalls wurde nicht hinweggespielt.


Mit ähnlichem Gespür dirigierte Christian Zacharias auch die d-Moll-Sinfonie von Joseph Haydn (Hob. I:80). Deren musikalischer Humor tönte recht sarkastisch, und die tänzerischen Passagen chargierten so boshaft, dass einem schwindlig werden konnte.


http://www.regart.ch/ocl/

29.11.05 10:07
 



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